Tumultartige Nacht nach friedlicher Aktion

Hunderttausende Menschen gingen am Samstag (17.10.2026) in Paris und mindestens 140 weiteren Städten Frankreichs auf die Straße, um gegen die explodierenden Lebenshaltungskosten, den Verfall öffentlicher Dienstleistungen und die sich verschlechternden Bedingungen an Schulen zu protestieren. Das Innenministerium zählte 550.000 Teilnehmer — doppelt so viele wie zunächst geschätzt — darunter 110.000 in Paris; die Gewerkschaft CGT beanspruchte 800.000 Menschen für sich.

Eine friedliche Protestaktion am Mittag kippte gegen Abend in eine bedrohliche Lage: Vermummte Jugendgruppen bewarfen Polizisten mit Steinen und Feuerwerkskörpern, steckten Fahrzeuge in Brand und plünderten Geschäfte. Bereitschaftspolizei antwortete mit Tränengas und Wasserwerfern; Barrikaden auf den Champs-Élysées wurden gewaltsam geräumt.

Bis Sonntagmorgen gab Innenminister Laurent Nuñez auf X bekannt: rund 1.800 Menschen wurden festgenommen und 500 Einsatzkräfte — Polizisten, Feuerwehrleute, Sanitäter — verletzt. Die Zahlen stiegen deutlich gegenüber den Angaben von Samstagabend aus dem Büro von Premierminister Sébastien Lecornu: 1.200 Festnahmen und 150+ verletzte Polizisten.

Limoges Rathaus in Trümmern

Das auffälligste Symbol ereignete sich in Limoges im Zentrum Frankreichs: Das historische Rathaus (erbaut 1883, seit 1975 unter Denkmalschutz) wurde von maskierten Massen niedergebrannt und Berichten zufolge „größtenteils zerstört“. Das Dach stürzte ein und zwei Drittel des Äußeren verschwanden. Präfekt Maurice Barate nannte es „eine vorsätzliche Handlung der Randalierer“ und „eine Katastrophe für das kulturelle Erbe“.

In Marseille drangen schwarz gekleidete Demonstranten in das Rathaus ein und beschmierten die Wände mit anarchistischen Graffiti. In Lyon wurde das Tourismusbüro niedergebrannt — Bürgermeister Grégory Doucet nannte es eine „Tragödie". In Saint-Étienne verlor ein 17-jähriger Jugendlicher seine rechte Hand durch die Explosion einer Tränengasgranate.

In Paris verliefen die Plünderungen systematisch: Laut AFP schnitten maskierte Jugendgruppen Überwachungskameras durch, bevor sie in Geschäfte eindrangen — Ziele waren Schuh- und Handyläden. Vize-Bürgermeister von Paris Emmanuel Grégoire: „Ganze Straßenzüge sind verwüstet.“ Mehrere Maskierte näherten sich sogar dem Élysée-Palast, bevor sie von der Polizei zurückgedrängt wurden.

Regierung: Gewalt wird nicht toleriert

Premier Sébastien Lecornu verurteilte ein „inakzeptables“ Ausmaß an Gewalt und beschuldigte linksextreme Gruppen sowie Kriminelle, hinter den anarchistischen Aktionen zu stehen. „Es ist ein Wunder, dass die Zahl der Opfer nicht höher ist“, sagte er bei einem Besuch von Einsatzkräften in Paris. Er betonte, die Regierung werde nicht zulassen, dass Gewalt knapp sechs Monate vor der Präsidentschaftswahl eine politische Agenda durchsetze.

Präsident Macron schrieb in den sozialen Medien: „Es gibt keinen Platz für Gewalt in unserer Republik“. Die Täter des Angriffs würden angeklagt und bestraft, und er übermittelte die Unterstützung der Nation für die Strafverfolgungsbehörden.

Diese Aktion wurzelt in Schülerprotesten seit September im nördlichen Umland von Paris. Die Wut über Lehrermangel und schlechte Schulaustattung weitete sich zu einer Lebenshaltungskostenbewegung aus, die Ungleichheit und die hohen Kosten des täglichen Bedarfs ins Rampenlicht rückt – und sich nun zur größten Bewährungsprobe für die politische Stabilität Frankreichs in den vergangenen Jahren entwickelt hat.